Amsterdam fordert Aufnahme verletzter Kinder
| von Redaktion
AMSTERDAM · Die Stadtregierung hat die niederländische Regierung aufgefordert, schwerkranken und verletzten Kindern aus Gaza die Einreise zur medizinischen Behandlung zu ermöglichen. Bürgermeisterin Femke Halsema betonte in einer Antwort an den Gemeinderat, dass Amsterdam dies als humanitäre Verpflichtung betrachte. Die Stadt reagiert damit auf eine Initiative mehrerer Ratsfraktionen, die bereits im August entsprechende Fragen gestellt hatten. Während das Kabinett eine Aufnahme bislang ablehnte und auch eine ähnliche Parlamentsinitiative gescheitert ist, signalisiert das Amsterdam UMC seine Bereitschaft, Kinder aus dem Kriegsgebiet zu behandeln. Auch andere niederländische Städte wie Utrecht und europäische Kommunen haben vergleichbare Initiativen gestartet, was den Druck auf die nationale Regierung erhöht.
Amsterdam macht damit deutlich, dass es nicht länger bei Ankündigungen bleiben soll, sondern konkrete Schritte folgen müssen. Nach den Worten Halsemas hat die Stadt das Kabinett in einem dringenden Appell gebeten, die Einreise für verletzte Kinder zu ermöglichen, um ihre Versorgung in niederländischen Kliniken sicherzustellen.
Das Thema hat auch eine internationale Dimension: Während Belgien, Italien und das Vereinigte Königreich bereits Kinder aus Gaza aufgenommen haben, prüft Deutschland eine Ausweitung seiner Hilfsmaßnahmen. Nach Ansicht der beteiligten Ratsfraktionen muss die Hauptstadt hier ein klares Signal setzen und Vorbild für andere niederländische Städte sein.
Amsterdam geht mit diesem Schritt über die bisherige Zurückhaltung der niederländischen Regierung hinaus. Wie NOS berichtet, lehnte das Kabinett noch im Vormonat die Aufnahme von Kindern aus Gaza ab, und auch eine im Parlament eingebrachte Motion mit gleichem Ziel fand keine Mehrheit. Dennoch betonen die Initiatoren in der Amsterdamer Politik, dass die humanitäre Notlage keine weitere Verzögerung duldet. Nach Angaben von AT5 hatten bereits im August die Fraktionen von PvdA, GroenLinks, D66, Volt, Denk und SP den Vorstoß im Gemeinderat unterstützt. Sie verwiesen auf die katastrophale Lage in Gaza, wo nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation dringend Evakuierungen notwendig seien.
Das Amsterdam UMC, eines der größten Universitätskliniken des Landes, erklärte seine Bereitschaft, betroffene Kinder aufzunehmen. In einem öffentlichen Statement stellte das Krankenhaus klar, dass angesichts der zerstörten medizinischen Infrastruktur im Gazastreifen eine Behandlung vor Ort nicht mehr gewährleistet sei. Die Klinik sieht es als notwendig an, Kinder mit schweren Verletzungen oder chronischen Erkrankungen in Amsterdam zu versorgen. Bürgermeisterin Halsema griff diese Haltung auf und schrieb, die Stadt sei bereit, hier Verantwortung zu übernehmen.
Gleichzeitig betonte die Stadtregierung, dass sie den Schulterschluss mit anderen Städten und Organisationen sucht. Mit der Vereniging van Nederlandse Gemeenten wurde bereits Kontakt aufgenommen, um zu prüfen, ob auch andere niederländische Städte bereit sind, Kinder aus Gaza aufzunehmen. Wie NOS weiter meldet, hat sich in Utrecht eine Mehrheit des Gemeinderats für eine solche Initiative ausgesprochen.
Auch auf internationaler Ebene knüpft Amsterdam Kontakte. In Deutschland haben unter anderem Hannover, Düsseldorf, Leipzig, Bonn und Kiel signalisiert, verletzte Kinder aufnehmen zu wollen. Italien und Belgien haben bereits Evakuierungen durchgeführt, während das Vereinigte Königreich ein Programm für mehrere hundert Kinder vorbereitet. EUROCITIES, ein Netzwerk europäischer Städte, prüft ebenfalls, wie Kommunen gemeinsam Verantwortung übernehmen können.
Die Initiative Amsterdams setzt damit ein deutliches politisches Signal. Während das Kabinett weiter auf eine Behandlung „in der Region“ verweist, wollen die Hauptstadt und ihre medizinischen Einrichtungen konkrete Hilfe leisten. Die Unterstützer in der Kommunalpolitik machen klar, dass jetzt gehandelt werden müsse, um Leben zu retten.
Humanitäre Verpflichtung
Amsterdam bezeichnet die Aufnahme von Kindern aus Gaza ausdrücklich als humanitäre Pflicht. Das Amsterdam UMC erklärt, bereit zu sein, verletzte und schwerkranke Kinder aufzunehmen. Das Kabinett lehnt bisher eine Aufnahme ab, auch die Tweede Kamer hat eine entsprechende Motion verworfen. Amsterdam sucht Kooperation mit Utrecht und europäischen Städten, darunter Düsseldorf, Hannover und Antwerpen. Andere europäische Staaten haben bereits gehandelt, während Amsterdam jetzt Druck auf die niederländische Regierung ausübt.
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