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ACM prüft hohe Preise in Supermärkten

| von Redaktion

Niederländisches Drop gibt es doch wirklich nur im Lande. | Foto: HOLLAND.guide
Niederländisches Drop gibt es doch wirklich nur im Lande. | Foto: HOLLAND.guide

DEN HAAG · Verbraucherschützer nehmen Lebensmittelpreise ins Visier. Die niederländische Aufsichtsbehörde ACM untersucht, warum viele Produkte in Supermärkten hierzulande teurer sind als in den Nachbarländern. Auslöser sind Signale, wonach insbesondere Markenartikel wie Kaffee, Bier oder Softdrinks in Deutschland, Belgien oder Frankreich günstiger zu haben sind. Im Fokus stehen die Gewinnmargen von Lieferanten und Supermärkten sowie mögliche Beschränkungen beim grenzüberschreitenden Einkauf. Die Ermittlungen setzen die Branche unter Druck, zumal Preisvergleiche für Verbraucher im Grenzgebiet längst Alltag sind. Deutsche Supermärkte haben ihr Angebot sichtbar auf niederländische Kunden zugeschnitten, und auch Informationsportale wie Duitseland.nl profitieren vom wachsenden Interesse an günstigeren Einkäufen jenseits der Grenze.

Die Autoriteit Consument & Markt (ACM) hat ein umfangreiches Verfahren gestartet, um die Preisgestaltung in niederländischen Supermärkten offenzulegen. Anlass sind zahlreiche Hinweise, dass Waren des täglichen Bedarfs in den Niederlanden teurer sind als im Ausland. Dabei geht es nicht nur um Unterschiede im Detail, sondern um systematische Fragen: Welche Rolle spielen die Gewinnmargen von Lieferanten großer Markenunternehmen und von Supermarktketten? Sind Supermärkte in den Niederlanden strukturell benachteiligt, weil sie bestimmte Produkte nicht im Ausland einkaufen dürfen? Die ACM will diese Zusammenhänge untersuchen un d prüfen, ob es sich um normale Marktentwicklungen handelt oder ob Marktprobleme vorliegen, die Verbraucher belasten. Bereits bekannt ist, dass A-Markenprodukte in den vergangenen Jahren stark im Preis gestiegen sind und inzwischen deutlich teurer sind als in Deutschland oder Frankreich. So berichteten Supermarktketten wie Jumbo von Streitigkeiten mit Herstellern wie JDE Peet’s, deren Produkte zeitweise aus den Regalen verschwanden, weil keine Einigung bei den Einkaufspreisen erzielt werden konnte. Ähnliche Konflikte gab es mit Heineken. Nach Darstellung von Händlern liegt ein Kernproblem darin, dass internationale Markenhersteller sogenannte territoriale Lieferbeschränkungen anwenden. Damit wird verhindert, dass niederländische Supermärkte Waren in Ländern einkaufen, in denen sie günstiger angeboten werden. Kritiker wie der Onlinehändler Picnic sprechen in diesem Zusammenhang von künstlich hohen Preisen.

Hintergrund des Verfahrens

Die ACM reagiert mit ihrem Vorgehen auf eine seit Jahren andauernde Diskussion über die im europäischen Vergleich hohen Lebensmittelpreise in den Niederlanden. Schon länger gibt es Beschwerden aus dem Einzelhandel, dass Lieferanten bestimmte Konditionen durchsetzen, die niederländische Ketten stärker belasten. Nun will die Behörde systematisch aufzeigen, ob diese Unterschiede tatsächlich durch die Marktstruktur bedingt sind oder ob Verstöße gegen Wettbewerbsrecht vorliegen.

Margen und Preisunterschiede

Besonders im Blickpunkt stehen die Margen von Lieferanten und Supermärkten. Während Handelsketten häufig auf hohe Einkaufspreise verweisen, argumentieren Hersteller mit steigenden Produktionskosten. Für Verbraucher ist die Unterscheidung kaum nachvollziehbar, da sie nur das Endresultat sehen: Ein deutlich teurerer Einkaufskorb als im Ausland. NU.nl verwies auf Berechnungen, wonach Markenprodukte in den Niederlanden bis zu doppelt so teuer sein können wie in Frankreich oder Deutschland.

Konflikte zwischen Händlern und Herstellern

Die Auseinandersetzungen sind kein neues Phänomen. Jumbo hatte mehrfach Probleme, bestimmte Produkte in den Regalen zu halten, weil Verhandlungen über Preise scheiterten. Ähnliche Fälle betrafen Heineken und JDE Peet’s. Auch andere große Ketten wie Albert Heijn beklagten vergleichbare Schwierigkeiten. Für Konsumenten bedeutet das im Extremfall leere Regale oder den Zwang, auf teurere Ersatzprodukte zurückzugreifen.

Belastung für die Grenzregion

Besonders deutlich zeigt sich das Problem in der Grenzregion zu Deutschland. Dort kaufen seit Jahren viele niederländische Haushalte jenseits der Grenze ein, weil Grundnahrungsmittel, Getränke oder Drogerieartikel günstiger sind. Deutsche Supermärkte haben ihr Sortiment gezielt auf niederländische Kunden ausgerichtet. Webseiten wie Duitseland.nl bieten Informationen, Preisvergleiche und Einkaufsführer für diese Zielgruppe. Der Druck auf die niederländischen Händler steigt dadurch weiter.

Bedeutung für Verbraucher und Unternehmen

Gut funktionierende Märkte sind nicht nur für Konsumenten wichtig, sondern auch für Unternehmen. Wenn Hersteller Supermärkte daran hindern, zu günstigeren Konditionen einzukaufen, oder wenn die Konkurrenz unter den Supermärkten nicht ausreichend ist, entstehen strukturell höhere Preise. Nach Angaben der ACM könnten daraus Marktprobleme resultieren, die letztlich Millionen Haushalte belasten.

Ausblick

Die Behörde will ihre Untersuchung im Sommer 2026 abschließen und die Ergebnisse veröffentlichen. Sollte sich dabei herausstellen, dass Unternehmen gegen Regeln verstoßen haben, behält sich die ACM vor, Maßnahmen zu ergreifen. Denkbar sind Auflagen für Hersteller oder Empfehlungen an den Gesetzgeber. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Debatte über die Preisgestaltung in den kommenden Monaten intensiver wird, da die Branche und Verbraucher auf Antworten warten.

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