A12 bei Utrecht durch Klimaprotest blockiert
| von Redaktion
UTRECHT · Großangelegte Klimaaktion auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Niederlande: Am Samstag haben Aktivisten mehrerer Klimagruppen die Autobahn A12 südlich von Utrecht besetzt und damit den Verkehr rund um die Stadt massiv gestört. Demonstranten der Bewegung Extinction Rebellion sowie weiterer Gruppen gelangten trotz eines Polizeiaufgebots auf die Fahrbahn und blockierten die Straße zeitweise vollständig. Die Polizei räumte die Autobahn am Nachmittag und nahm dabei etwa 400 Menschen fest. Die meisten Demonstranten wurden später wieder freigelassen. Sechs Personen, die mit Fahrzeugen gezielt die Blockade ausgelöst haben sollen, bleiben zunächst in Gewahrsam. Während der Aktion kam es zu erheblichen Verkehrsproblemen im Großraum Utrecht, mehrere Straßen rund um die Stadt waren über Stunden stark belastet.
Am späten Vormittag versammelten sich Aktivisten der Klimabewegung Extinction Rebellion sowie Unterstützer weiterer Gruppen entlang der Autobahn A12 südlich von Utrecht. Wie die niederländische Polizei mitteilt, sammelten sich die Demonstranten zunächst an mehreren Punkten in der Nähe der Autobahn. Gegen 11.30 Uhr versuchten Einsatzkräfte mit einer Linie der Bereitschaftspolizei zu verhindern, dass die Aktivisten auf die Schnellstraße gelangen. Ein Teil der Demonstranten durchbrach jedoch diese Absperrung und betrat anschließend die Fahrbahn. Kurz darauf stoppte eine Gruppe von Aktivisten mehrere Fahrzeuge auf der Autobahn. Diese Autos blieben auf der Fahrbahn stehen und blockierten den Verkehr, wodurch sich rasch ein Stau bildete. In der Folge setzte sich eine größere Gruppe von Demonstranten auf die Straße nahe dem Autobahnkreuz Oudenrijn. Insgesamt gelang es etwa 150 Aktivisten, die Autobahn direkt zu blockieren. Gleichzeitig kam es zu weiteren Störungen im Straßennetz rund um Utrecht, unter anderem auf einer Flyover Verbindung von der A2 zur A12. Wie die Polizei erklärt, wurden dort zusätzliche Demonstranten aktiv, wodurch sich die Verkehrsprobleme weiter verschärften.
Polizei räumt Autobahn und nimmt Demonstranten fest
Nachdem die Demonstranten die Autobahn besetzt hatten, bereitete sich die Polizei darauf vor, die Blockade aufzulösen. Zunächst wurden die Aktivisten offiziell aufgefordert, die Fahrbahn zu verlassen. Als viele der Beteiligten dieser Aufforderung nicht nachkamen, begann die Polizei damit, die Demonstranten von der Straße zu entfernen. Wie das niederländische Nachrichtenportal NOS berichtet, wurden zahlreiche Aktivisten von Einsatzkräften von der Fahrbahn getragen oder in bereitstehende Busse gebracht. Einige Demonstranten hatten sich mit Ketten, Rohren oder Klebstoff an der Leitplanke befestigt, wodurch sich das Entfernen teilweise verzögerte.
Parallel dazu gingen Beamte gegen die mutmaßlichen Organisatoren der Straßenblockade vor. Sechs Personen, die mit Fahrzeugen auf der Autobahn anhielten und damit die Blockade auslösten, wurden festgenommen. Ihre Fahrzeuge wurden beschlagnahmt. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um Männer aus Utrecht, Ouderkerk aan de Amstel, Tilburg, Almelo und IJsselstein. Sie wurden auf eine Polizeiwache gebracht und in Gewahrsam genommen. Außerdem wurden sie beim CBR gemeldet, der niederländischen Behörde für Führerscheinmaßnahmen. Ihnen droht eine verpflichtende verkehrspädagogische Maßnahme, da sie nach Ansicht der Behörden durch das gezielte Anhalten auf der Autobahn ein schweres Verkehrsdelikt begangen haben.
Rund 400 Festnahmen während der Aktion
Im Verlauf des Einsatzes wurden insgesamt rund 400 Menschen festgenommen. Wie NOS berichtet, betrifft dies sowohl Demonstranten, die sich auf der Autobahn befanden, als auch Aktivisten, die von der Polizei gestoppt wurden, bevor sie die Straße erreichen konnten. Ein Teil der Demonstranten wurde zunächst in Busse gesetzt und anschließend zum Bahnhof Utrecht Overvecht gebracht.
Nach der Identitätsfeststellung durften die meisten von ihnen wieder gehen. Gegen sie wird keine Strafe verhängt. Anders ist die Situation für die sechs Autofahrer, die laut Polizei direkt an der Blockade beteiligt waren. Gegen sie laufen weitere Ermittlungen.
Der Polizeieinsatz verlief laut Behörden weitgehend ohne größere Zwischenfälle. Während der Räumung wurden Demonstranten teilweise weggetragen oder mit speziellen Tragen zu den Bussen gebracht. Einige Aktivisten gingen freiwillig mit den Einsatzkräften mit, andere wurden von der Polizei von der Fahrbahn entfernt.
Massive Verkehrsprobleme rund um Utrecht
Die Blockade der A12 führte zu erheblichen Verkehrsproblemen im Raum Utrecht. Laut Berichten von RTV Utrecht bildeten sich auf beiden Seiten der Autobahn lange Staus. Auf der Strecke aus Richtung Arnhem standen Fahrzeuge zwischen Houten Oost und De Meern über mehrere Kilometer still. Auch aus Richtung Den Haag kam es zu langen Verzögerungen zwischen Woerden und De Meern.
Rijkswaterstaat rief Autofahrer deshalb dazu auf, den Großraum Utrecht während der Protestaktion möglichst zu meiden. Verkehr wurde teilweise über andere Autobahnen umgeleitet. Unter anderem wurden Umleitungen über die A4, A9 und A2 empfohlen. Auch innerhalb der Stadt Utrecht kam es zu erhöhter Verkehrsbelastung.
Nach Angaben der Gemeinde mussten Verkehrsleitsysteme angepasst werden, um den Verkehr besser zu steuern. Gleichzeitig wurde Autofahrern geraten, möglichst auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen.
Demonstranten protestieren gegen fossile Subventionen
Die Protestaktion richtete sich nach Angaben der beteiligten Gruppen gegen staatliche Subventionen für fossile Energieträger. Wie NOS berichtet, gehen nach Einschätzung der Demonstranten jährlich zwischen 39,7 und 46,4 Milliarden Euro an staatlichen Unterstützungen an fossile Energieformen. Die Aktivisten fordern, dass diese Mittel stattdessen für Bereiche wie Wohnungsbau, Gesundheitsversorgung oder andere gesellschaftliche Aufgaben eingesetzt werden.
Neben der Klimabewegung Extinction Rebellion beteiligten sich auch weitere Gruppen an der Aktion. Dazu zählen unter anderem Debt for Climate sowie Utrecht for Palestine. Während der Demonstration wurden neben Klimaslogans auch politische Parolen gerufen und Fahnen gezeigt.
Die Polizei betonte nach dem Einsatz erneut, dass das Betreten und Blockieren von Autobahnen lebensgefährlich sei. Demonstrationen seien grundsätzlich erlaubt, dürften jedoch nicht auf Schnellstraßen stattfinden.
Autobahn am Nachmittag wieder freigegeben
Am frühen Nachmittag gelang es der Polizei, die Blockade vollständig zu beenden. Wie RTV Utrecht berichtet, wurden die letzten Demonstranten gegen 15.15 Uhr von der Fahrbahn entfernt. Kurz darauf meldete Rijkswaterstaat, dass die A12 wieder für den Verkehr freigegeben werden könne.
Nach Angaben der Polizei war die Hauptfahrbahn gegen etwa 14.30 Uhr weitgehend geräumt. Gegen 15.30 Uhr wurde die Autobahn schließlich wieder vollständig geöffnet. Danach begann sich die Verkehrssituation rund um Utrecht langsam zu normalisieren.
Die Behörden bewerten den Einsatz als notwendig, um die Sicherheit auf der Autobahn wiederherzustellen. Gleichzeitig blieb die politische Debatte über Protestformen und Klimapolitik auch nach der Räumung der Autobahn bestehen.
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