79 Betrugsverdächtige jetzt öffentlich erkennbar
| von Redaktion
UTRECHT · Offensive gegen Betrugsbanden erreicht neue Stufe. Die niederländische Polizei hat im Rahmen der landesweiten Fahndungsaktion Game Over?! nun 79 mutmaßliche Täter öffentlich identifizierbar gemacht. Die Personen stehen im Verdacht, als falsche Polizisten oder vermeintliche Bankmitarbeiter ältere Menschen um Geld und Wertgegenstände gebracht zu haben. Nachdem die Polizei zunächst hundert anonymisierte Fotos veröffentlicht hatte, sollten sich die Betroffenen melden. In 21 Fällen geschah genau das oder es gingen Hinweise aus der Bevölkerung ein. Für die übrigen Verdächtigen werden nun unverpixelte Bilder verbreitet. Sie erscheinen auf der Website der Polizei, in sozialen Medien, auf digitalen Werbetafeln sowie im Fernsehen. Ziel ist es, die Täter zu identifizieren und weitere Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten.
Die Aktion Game Over?! richtet sich gegen sogenannte Nepagenten und Täter der Bankhelpdesk-Fraude, also Betrüger, die sich als Polizisten oder Bankmitarbeiter ausgeben. Wie die niederländische Polizei mitteilt, handelt es sich um eine Form der Kriminalität, die in den vergangenen Jahren tausende Menschen betroffen hat, besonders ältere Personen. Die Täter kontaktieren ihre Opfer meist telefonisch und berichten von angeblichen verdächtigen Überweisungen oder Einbruchsgefahren. Im Anschluss erscheinen sie persönlich an der Haustür, um angeblich Bankkarten, Bargeld oder Schmuck in Sicherheit zu bringen. Tatsächlich werden diese Gegenstände gestohlen. Wie die Polizei erklärt, werden die Täter häufig von Türkameras oder Überwachungssystemen aufgezeichnet, wenn sie die Wohnungen der Opfer aufsuchen oder später mit gestohlenen Bankkarten Geld an Automaten abheben. Genau diese Aufnahmen bilden die Grundlage der aktuellen Fahndung. Laut der Polizei sind die Bilder nun landesweit sichtbar, unter anderem auf Polizeiwebseiten, in sozialen Netzwerken und auf digitalen Werbetafeln.
Kampagne Game Over?! bringt erste Ergebnisse
Die Polizei hatte vor rund zwei Wochen zunächst hundert Fotos der Verdächtigen veröffentlicht, allerdings noch anonymisiert. Gleichzeitig wurde angekündigt, die Bilder später unverpixelt zu zeigen, falls sich die Betroffenen nicht melden sollten. Diese Strategie zeigte bereits Wirkung. Nach Angaben der Polizei meldeten sich 21 Verdächtige selbst oder wurden durch Hinweise aus der Bevölkerung identifiziert. Ihre Daten wurden anschließend aus der öffentlichen Fahndung entfernt.
Damit verbleiben nun 79 Personen, deren Gesichter öffentlich gezeigt werden. Die Polizei erhofft sich dadurch weitere Hinweise. Wie die Polizei mitteilt, ist jeder einzelne Fall zuvor von einer Staatsanwältin oder einem Staatsanwalt geprüft worden. Erst nach dieser rechtlichen Bewertung wurde entschieden, dass die Veröffentlichung der Bilder zulässig ist.
Nach Angaben der Polizei stammen die Fälle aus dem gesamten Land. Wie NOS berichtet, reichen die Tatorte von Den Helder im Norden bis Valkenburg im Süden und von Rotterdam bis Joure. Die Ermittler betonen, dass die Veröffentlichung der Bilder zwar ein weitreichender Schritt sei, angesichts der Schäden und der Zahl der Opfer jedoch gerechtfertigt sei.
Betrug mit falschen Polizisten und Bankmitarbeitern
Bei den Betrugsmaschen nutzen Täter häufig Angst und Vertrauen aus. Opfer werden telefonisch kontaktiert und mit einer scheinbaren Warnung konfrontiert. So berichten Betrüger etwa von angeblich aktiven Einbrechern in der Nachbarschaft oder von verdächtigen Bankbewegungen. In der Folge kündigt sich ein angeblicher Polizeibeamter oder Bankmitarbeiter an, der vorbeikommt, um Wertgegenstände oder Bankkarten „sicherzustellen“.
In Wirklichkeit werden Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände entwendet. Wie die niederländische Polizei berichtet, verschwanden in einzelnen Fällen sogar persönliche Erinnerungsstücke. In Beek en Donk wurde etwa der Ehering eines verstorbenen Partners gestohlen. In Ede verlor eine Frau eine königliche Auszeichnung, nachdem Betrüger sie unter einem Vorwand an sich genommen hatten.
Die Täter sprechen laut Polizei intern teilweise von der sogenannten F Game, einem angeblichen Betrugsspiel. Die Behörden betonen jedoch, dass es sich um schwere Straftaten mit erheblichen Folgen für die Betroffenen handelt. Neben dem finanziellen Schaden verlieren viele Opfer das Vertrauen in andere Menschen oder in staatliche Institutionen.
Tausende Opfer und hohe Schäden
Die Polizei weist darauf hin, dass der Betrug durch falsche Polizisten stark zugenommen hat. Wie die Polizei berichtet, stieg allein im vergangenen Jahr die Zahl der Meldungen über Nepagenten auf mehr als 13.000 Fälle. Insgesamt wurden mehr als 100.000 Betrugsmeldungen registriert.
Der geschätzte finanzielle Schaden beläuft sich auf mehr als 68 Millionen Euro. Dabei gehen die Behörden davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Fälle noch höher sein könnte. Viele Opfer erstatten aus Scham keine Anzeige.
Gerade ältere Menschen gehören zu den häufigsten Betroffenen. Sie werden gezielt angerufen und mit bedrohlichen Szenarien konfrontiert. Die Täter setzen darauf, dass ihre Opfer schnell handeln und ihnen vertrauen.
Polizei setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung
Die Polizei ruft die Bevölkerung ausdrücklich dazu auf, bei der Identifizierung der Verdächtigen zu helfen. Hinweise können über ein Onlineformular bei jedem einzelnen Fahndungsfall abgegeben werden. Zusätzlich steht die kostenlose Ermittlungs-Hotline unter der Nummer 0800 6070 zur Verfügung.
Wer Hinweise vollständig anonym geben möchte, kann sich an die Organisation Meld Misdaad Anoniem wenden. Dort ist die Telefonnummer 0800 7000 erreichbar. Verdächtige haben außerdem weiterhin die Möglichkeit, sich selbst bei der Polizei zu melden.
Sobald eine Person identifiziert wurde, entfernt die Polizei das entsprechende Foto aus der öffentlichen Fahndung. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass nur tatsächlich gesuchte Personen öffentlich gezeigt werden.
Rechtlicher Rahmen für Veröffentlichung der Bilder
Die Veröffentlichung der Bilder erfolgt nach Angaben der Polizei im Rahmen der niederländischen Richtlinie zur Fahndungskommunikation. Es wurde für jeden einzelnen Fall die Zustimmung des zuständigen regionalen Staatsanwalts eingeholt.
Die Behörden betonen, dass das öffentliche Zeigen der Bilder zwar ein weitreichendes Mittel ist, jedoch unter bestimmten Bedingungen erlaubt sei. Voraussetzung ist unter anderem, dass es sich um schwere Straftaten handelt und andere Ermittlungsmaßnahmen nicht ausreichend waren.
Die Kampagne Game Over?! ist eine Initiative des landesweiten Teams für Fahndungskommunikation der niederländischen Polizei in Zusammenarbeit mit dem Programm gegen digitalisierte Kriminalität sowie der Staatsanwaltschaft. Ziel ist es, die Täter zu identifizieren und weitere Betrugsfälle zu verhindern.
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