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49-Euro-Ticket für Niederlande rückt näher

| von Redaktion

Illustratiefoto | Foto: HOLLAND.guide
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DEN HAAG · Mögliches Kriseninstrument gegen steigende Energiepreise: Die niederländische Regierung prüft derzeit die Einführung eines günstigen ÖPNV-Tickets nach deutschem Vorbild. Hintergrund ist die Energiekrise, die durch den Krieg der USA und Israels gegen Iran ausgelöst wurde und zu stark steigenden Energie- und Treibstoffpreisen geführt hat. Im Parlament wird deshalb über Maßnahmen diskutiert, die Bürger finanziell entlasten sollen. Ein Vorschlag der Oppositionspartei GroenLinks-PvdA könnte nun tatsächlich umgesetzt werden. Demnach könnten Menschen im Sommer für 49 Euro pro Monat drei Monate lang unbegrenzt mit Bus, Bahn, Tram und Metro reisen, allerdings nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Ziel der Maßnahme ist es, Autofahrten zu reduzieren und den öffentlichen Verkehr als günstige Alternative attraktiver zu machen.

Im Zentrum der politischen Diskussion steht ein mögliches sogenanntes „Nederland-ticket“. Dieses günstige Monatsticket soll Teil eines Maßnahmenpakets sein, mit dem die niederländische Regierung auf die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Energiekrise reagiert. Wie NOS berichtet, steht das Minderheitskabinett dem Vorschlag grundsätzlich offen gegenüber. Der Plan stammt ursprünglich von GroenLinks-PvdA und sieht vor, dass Menschen für 49 Euro im Monat während der Sommermonate unbegrenzt den öffentlichen Nahverkehr nutzen können, sofern sie außerhalb der Hauptverkehrszeiten reisen. Damit wären Busse, Straßenbahnen, Züge und Metro einheitlich zugänglich. Ziel ist es, Bürger zu entlasten, die durch steigende Benzinpreise stärker belastet werden. Gleichzeitig soll die Maßnahme dazu beitragen, den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen und Autofahrten zu reduzieren. Laut dem AD signalisierte Premierminister Rob Jetten im parlamentarischen Energiesonderdebatte Bereitschaft, das Vorhaben umzusetzen und noch vor dem Sommer entsprechende Schritte zu prüfen. Die Idee wird auch politisch als kurzfristige Maßnahme gesehen, um Menschen während der Krise finanziell zu unterstützen, ohne gleichzeitig milliardenschwere Eingriffe wie eine generelle Senkung der Kraftstoffsteuern vorzunehmen.

Debatte über Maßnahmen gegen Energiekrise

Der Vorschlag für das günstige Ticket ist Teil eines größeren Maßnahmenpakets, das die Regierung vorgestellt hat, um die wirtschaftlichen Folgen steigender Energiepreise abzufedern. Hintergrund sind stark gestiegene Kosten für Öl und Treibstoff infolge der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Wie NOS berichtet, hat das Kabinett deshalb ein Paket im Umfang von rund einer Milliarde Euro präsentiert. Dazu gehört unter anderem ein neues Notfallfonds für Haushalte, die ihre Energierechnung nicht mehr bezahlen können. Außerdem soll die steuerfreie Kilometervergütung für Arbeitnehmer erhöht werden. Weitere Maßnahmen richten sich an Branchen, die besonders stark von hohen Treibstoffkosten betroffen sind, etwa Fischerei, Landwirtschaft oder Transport. Zusätzlich wird Geld bereitgestellt, um Häuser energetisch zu modernisieren.

In der Tweede Kamer stieß das Paket jedoch auf Kritik aus verschiedenen politischen Lagern. Mehrere Oppositionsparteien halten die Maßnahmen für zu klein oder zu spät. Manche fordern stattdessen eine direkte Senkung der Kraftstoffsteuern, um die Preise an der Tankstelle sofort zu reduzieren. Die Regierungsparteien lehnen dies bislang ab, weil eine solche Maßnahme sehr teuer wäre und nach ihrer Einschätzung vor allem Menschen mit hohem Benzinverbrauch profitieren würden. Stattdessen setzt die Regierung eher auf gezielte Maßnahmen für bestimmte Gruppen oder auf strukturelle Veränderungen wie Energieeinsparung und nachhaltige Mobilität.

Idee orientiert sich am deutschen Modell

Die Idee eines günstigen landesweiten ÖPNV-Tickets ist nicht neu. Wie NOS berichtet, orientiert sich der niederländische Vorschlag deutlich am deutschen Modell. In Deutschland wurde 2022 zunächst ein temporäres 9-Euro-Ticket eingeführt. Dieses Angebot entwickelte sich schnell zu einer der größten Veränderungen im öffentlichen Verkehrssystem des Landes. Ein Jahr später wurde das Konzept durch das sogenannte Deutschlandticket ersetzt, das zunächst ebenfalls 49 Euro pro Monat kostete und später auf 63 Euro erhöht wurde.

Nach Angaben von NOS besitzt inzwischen etwa jeder fünfte Deutsche über 16 Jahre ein solches Ticket. Besonders in großen Städten ist die Nutzung weit verbreitet. In Hamburg hat fast die Hälfte der Bevölkerung ein entsprechendes Abonnement, während die Nutzung in ländlichen Regionen deutlich niedriger ist. Untersuchungen des deutschen Verkehrsministeriums zeigen, dass ein Teil der Fahrten mit dem Ticket sonst mit dem Auto durchgeführt worden wäre. Laut den Forschern wären zwischen zwölf und zwanzig Prozent dieser Fahrten ohne das Ticket mit dem Auto erfolgt.

Diese Verlagerung vom Auto auf den öffentlichen Verkehr hat auch ökologische Auswirkungen. Die Wissenschaftler berechneten laut NOS, dass dadurch jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden. Das entspricht etwa drei Prozent der gesamten Emissionen des Autoverkehrs in Deutschland.

Vorteile vor allem für Menschen mit niedrigen Einkommen

Neben Umweltaspekten betonen Forscher und Politiker auch die sozialen Auswirkungen solcher Ticketmodelle. Laut Untersuchungen, über die NOS berichtet, profitieren insbesondere Menschen mit niedrigerem Einkommen. Für sie werden Freizeitaktivitäten, Familienbesuche oder Ausflüge finanziell leichter möglich. Gleichzeitig kann ein günstiges Ticket die gesellschaftliche Teilhabe verbessern, weil Mobilität erschwinglicher wird.

Auch im niederländischen Vorschlag spielt dieser Gedanke eine Rolle. GroenLinks-PvdA argumentiert, dass günstiger öffentlicher Verkehr ein direkter Beitrag zur Entlastung der Haushalte sei. Der Parteivorsitzende Jesse Klaver erklärte laut NOS, dass Reisen dadurch für viele Menschen etwa sechzig Prozent günstiger werden könnte. Gleichzeitig soll das Ticket den öffentlichen Verkehr stärker als Alternative zum Auto positionieren.

Der Vorschlag ist allerdings bewusst auf Fahrten außerhalb der Hauptverkehrszeiten begrenzt. Damit soll verhindert werden, dass Pendlerströme in den ohnehin stark ausgelasteten Stoßzeiten weiter zunehmen. Nach Darstellung von Klaver erhalten viele Arbeitnehmer bereits eine Reisekostenvergütung von ihrem Arbeitgeber, weshalb sich das Ticket vor allem an Freizeit- und Gelegenheitsreisende richtet.

Finanzierung und politische Mehrheit noch offen

Ob und wie das geplante Ticket tatsächlich umgesetzt wird, hängt noch von politischen Entscheidungen ab. Laut AD ist zwar klar, dass das Kabinett grundsätzlich bereit ist, das Vorhaben zu prüfen. Unklar bleibt jedoch, wie die Maßnahme finanziert werden soll. Schätzungen zufolge würde das Programm rund 110 bis 118 Millionen Euro kosten.

In der politischen Debatte wird deshalb intensiv über mögliche Finanzierungsquellen gesprochen. Einige Vorschläge sehen vor, Mittel aus dem Infrastrukturhaushalt oder aus bestehenden Fonds zu nutzen. Gleichzeitig wird betont, dass die Regierung vorsichtig agieren will, da die wirtschaftlichen Folgen der Energiekrise noch schwer abzuschätzen sind.

Premierminister Rob Jetten erklärte laut AD im Parlament, dass das Kabinett zwar bereit sei, kurzfristige Maßnahmen zu prüfen, gleichzeitig aber nicht alle finanziellen Reserven sofort einsetzen wolle. Die Situation sei weiterhin unsicher, und weitere wirtschaftliche Auswirkungen könnten folgen.

Sollte das Parlament dem Vorschlag zustimmen, könnte das günstige Ticket bereits im Sommer eingeführt werden. Damit würde erstmals auch in den Niederlanden ein landesweites Niedrigpreis-ÖPNV-Ticket entstehen, das sich an den Erfahrungen aus Deutschland orientiert.

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