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100 Menschen in den Niederlanden ertrunken

| von Redaktion

Archivbild | Foto: HOLLAND.guide
Archivbild | Foto: HOLLAND.guide

DEN HAAG · Die Zahl der tödlichen Ertrinkungsunfälle in den Niederlanden bleibt hoch. Nach vorläufigen Zahlen des niederländischen Statistikamtes CBS kamen im Jahr 2025 insgesamt 100 Einwohner durch akzidentelles Ertrinken ums Leben. Damit liegt die Zahl zwar unter dem Vorjahreswert von 113 Todesfällen, bleibt aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Besonders betroffen waren ältere Menschen: 41 Prozent aller Opfer waren 60 Jahre oder älter. Mehr als die Hälfte aller tödlichen Unglücke ereignete sich in Gräben, Kanälen, Flüssen oder Grachten. Parallel registrierte das CBS weitere 100 Todesfälle durch Ertrinken infolge von Suizid sowie 42 Todesfälle nach Verkehrsunfällen im Wasser. Die neuen Zahlen zeigen erneut, wie stark Wasserflächen den Alltag und gleichzeitig auch die Risiken in den Niederlanden prägen.

Wie das niederländische Statistikamt CBS berichtet, starben zwischen 2021 und 2025 insgesamt 464 Einwohner der Niederlande durch akzidentelles Ertrinken. Im Jahr 2025 lag die Zahl bei exakt 100 Todesfällen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 13 Fälle. Dennoch liegt die Zahl weiterhin über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von jährlich 93 Todesopfern.

Besonders auffällig ist die Verteilung der Unglücksorte. Fast 54 Prozent aller tödlichen Ertrinkungsunfälle ereigneten sich laut CBS in Gräben, Flüssen, Kanälen oder Grachten. Weitere knapp 16 Prozent passierten in oder rund um Häuser und Gärten. Ebenfalls etwa 16 Prozent der Todesfälle geschahen in Seen, Teichen oder Freizeitgewässern. Nur rund vier Prozent der Opfer ertranken im Meer. Schwimmbäder machten weniger als zwei Prozent der Fälle aus.

Die Zahlen zeigen damit deutlich, dass die größten Risiken nicht an den bekannten Küstenabschnitten liegen, sondern im alltäglichen Umfeld des niederländischen Wassernetzes. Das CBS verweist außerdem darauf, dass die Zahl der Ertrinkungstoten unter Kindern seit den fünfziger Jahren stark zurückgegangen ist. Besonders bei Kindern unter zehn Jahren sei die Entwicklung deutlich sichtbar.

Heute liegt die höchste Zahl der Opfer nicht mehr bei Kindern, sondern bei älteren Menschen. Unter den über 60 Jährigen registrierte das CBS 2025 mit 0,8 Todesfällen pro 100.000 Einwohner die höchste Rate aller Altersgruppen. Bei Kindern unter zehn Jahren lag die Rate dagegen bei lediglich 0,2. Bereits im Vorjahr hatte das CBS darauf hingewiesen, dass ältere Menschen häufig nach einem Sturz ins Wasser ertrinken. Als mögliche Ursachen wurden damals unter anderem Ausrutschen, gesundheitliche Probleme, Alkoholkonsum oder Demenz genannt.

Viele Todesfälle in offenen Gewässern

Die Niederlande verfügen über ein dichtes Netz aus Wasserwegen, Kanälen und Grachten. Genau dort ereignen sich laut CBS die meisten tödlichen Unfälle. Mehr als jeder zweite Ertrinkungstod zwischen 2021 und 2025 geschah in offenen Gewässern wie Gräben, Flüssen oder Kanälen. Die Zahlen zeigen dabei ein deutlich anderes Bild als häufig angenommen wird. Während öffentliche Diskussionen oft auf Badeorte oder die Nordseeküste fokussiert sind, spielt das Meer statistisch nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Der Großteil der Unglücke geschieht im direkten Wohnumfeld oder entlang alltäglicher Verkehrswege. Besonders in Städten und dicht besiedelten Regionen mit vielen Grachten und Wasserläufen entstehen Risiken im Alltag. Bereits die CBS Zahlen des Vorjahres hatten gezeigt, dass vor allem ältere Menschen häufig nach einem Sturz ins Wasser ums Leben kommen.

Bei Menschen über 60 Jahren war dies laut CBS in den vergangenen zehn Jahren in rund 69 Prozent der bekannten Fälle der Auslöser. Die aktuellen Zahlen bestätigen nun erneut, dass Senioren die größte Risikogruppe darstellen. Gleichzeitig bleibt die Zahl der tödlichen Badeunfälle unter Kindern und Jugendlichen deutlich niedriger als noch vor mehreren Jahrzehnten. In den fünfziger Jahren kamen laut CBS noch mehr als zehn Kinder unter zehn Jahren pro 100.000 Einwohner durch Ertrinken ums Leben. Heute liegt dieser Wert nur noch bei einem Bruchteil davon. Das Statistikamt führt die langfristige Entwicklung unter anderem auf besseren Schwimmunterricht, mehr Sicherheitsmaßnahmen und stärkere Aufklärung zurück. Trotzdem bleiben die Zahlen hoch genug, um weiterhin von einem relevanten Sicherheitsproblem zu sprechen.

Auch Suizide und Verkehrsunfälle spielen große Rolle

Neben den 100 akzidentiellen Ertrinkungstoten registrierte das CBS für 2025 auch 100 Todesfälle durch Suizid im Wasser. Hinzu kamen 42 Todesfälle infolge von Verkehrsunfällen. In rund 90 Prozent dieser Fälle war ein Fahrzeug ins Wasser geraten. Betroffen waren laut CBS vor allem Fahrräder und Pkw. Weitere Fälle ereigneten sich bei Unfällen mit Booten oder Kanus. Die Statistik unterscheidet dabei klar zwischen Unfall, Suizid, Verkehrsunfall und sonstigen Ursachen. Insgesamt ergibt sich dadurch ein deutlich umfassenderes Bild der Gefahren rund um Wasserflächen in den Niederlanden.

Besonders bei älteren Menschen spielt Suizid laut CBS eine wichtige Rolle. Während bei Menschen unter 60 Jahren akzidentelle Unfälle häufiger vorkommen, ist bei Senioren Suizid die wichtigste Ursache für tödliche Ertrinkungsfälle. Bereits in den Vorjahren lagen die Zahlen in diesem Bereich konstant hoch. 2023 registrierte das CBS beispielsweise 104 Todesfälle durch Suizid im Wasser. 2024 waren es 83 Fälle, 2025 nun wieder 100. Auch bei Verkehrsunfällen blieb die Zahl relativ stabil. Im Jahr 2024 starben 45 Menschen nach Verkehrsunfällen im Wasser, 2025 waren es 42. Die Zahlen zeigen, dass Wasserflächen in den Niederlanden nicht nur im Freizeitbereich eine Rolle spielen, sondern auch eng mit Mobilität und psychischer Gesundheit verbunden sind.

Süd Holland besonders stark betroffen

Regional betrachtet wurden in den vergangenen fünf Jahren die meisten tödlichen Ertrinkungsunfälle in Süd Holland registriert. Dort kamen laut CBS insgesamt 115 Einwohner ums Leben. In Nord Holland waren es 86 Todesfälle. Im Verhältnis zur Fläche des vorhandenen Oberflächenwassers lagen jedoch andere Provinzen vorne. Besonders hoch war die Zahl der Todesfälle pro Quadratkilometer Wasserfläche in Utrecht, Noord Brabant und Limburg.

Bereits die CBS Zahlen des Vorjahres hatten außerdem gezeigt, dass die Sicherheitsregionen Amsterdam Amstelland und Rotterdam Rijnmond besonders häufig betroffen waren. Dort wurden zwischen 2015 und 2024 jeweils 89 tödliche Ertrinkungsunfälle registriert. Auch Haaglanden und Utrecht lagen vergleichsweise hoch. Die regionalen Unterschiede hängen laut den Daten stark mit der Bevölkerungsdichte und der Struktur der Wasserflächen zusammen. Städte mit vielen Grachten, Kanälen und offenen Wasserwegen weisen naturgemäß ein höheres Risiko auf. Gleichzeitig spielen Freizeitgewässer, Seen und Flüsse ebenfalls eine bedeutende Rolle. Das CBS weist darauf hin, dass die aktuellen Zahlen für 2025 noch vorläufig sind.

Langfristiger Rückgang bei Kindern

Besonders deutlich zeigt sich über Jahrzehnte hinweg der Rückgang tödlicher Ertrinkungsunfälle bei Kindern. Während Anfang der fünfziger Jahre noch mehr als elf Kinder unter zehn Jahren pro 100.000 Einwohner durch Ertrinken starben, liegt dieser Wert heute nur noch bei etwa 0,2. Der Rückgang zählt zu den stärksten Veränderungen innerhalb der niederländischen Unfallstatistik. Bei Jugendlichen zwischen zehn und zwanzig Jahren gingen die Zahlen ebenfalls stark zurück.

Das CBS sieht darin eine langfristige Entwicklung über mehrere Jahrzehnte hinweg. Gleichzeitig hat sich die Altersstruktur der Opfer verändert. Heute entfallen die meisten Todesfälle auf ältere Menschen. Besonders die alternde Gesellschaft spielt dabei laut CBS eine wichtige Rolle. Um statistische Verzerrungen durch die demografische Entwicklung zu vermeiden, wurden ältere Zahlen an die heutige Altersstruktur angepasst. Dadurch lassen sich historische Entwicklungen besser vergleichen. Trotz aller Fortschritte bleibt die Zahl tödlicher Unfälle weiterhin hoch. Durchschnittlich 0,6 Menschen pro 100.000 Einwohner starben 2025 in den Niederlanden durch akzidentelles Ertrinken.

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