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Offizielle Wasserknappheit aufgrund von Dürre

von Thomas Klimeck

Hausboote in Nijmegen liegen auf dem Trockenen | Foto: DACHIST

Aufgrund der anhaltenden Dürre herrscht in den Niederlanden seit gestern offiziell Wasserknappheit, wie die niederländische Regierung bekannt gibt. Das knappe Wasser wird gemäß den gesetzlichen Vereinbarungen verteilt, damit Deiche, Feuchtgebiete und sehr empfindliche Natur so lange wie möglich mit Wasser versorgt werden können.

Die anhaltende Dürre bedeutet, dass die Nachfrage des Landes nach Wasser die Menge übersteigt, die durch Regen und Flüsse ins Land kommt. Die Vorhersage ist, dass dies noch einige Zeit andauern wird, sodass in den kommenden Wochen neue Maßnahmen zur Verteilung des Wassers folgen könnten. Minister Mark Harbers (Infrastruktur und Wasserwirtschaft) schrieb an die Tweede Kamer, dass diese Wasserverteilung von nun an dem Managementteam für Wasserknappheit (Managementteam Watertekorten, kurz: MTW) übertragen wird.

Drei Niveaus

Das MTW prüft Wasserstände, Verdunstung und Verbrauch und stellt fest, ob die Nachfrage das Angebot an Wasser geeigneter Qualität übersteigt. Wenn ja, gibt es einen Engpass.

Um Klarheit zu schaffen, gibt es seit 2015 eine Art Alarmsystem, das verhindern soll, dass die Behörden alle möglichen Ad-hoc-Entscheidungen treffen, um Wasser zu sparen. Es gibt drei Stufen (zusätzlich zur normalen Situation ohne drohende Knappheit):

  • Stufe 1: drohende Wasserknappheit (seit dem 13. Juli 2022 in Kraft)
  • Stufe 2: tatsächliche Wasserknappheit (seit dem 03. August 2022 in Kraft)
  • Stufe 3: nationale Krise

Letztere Situation kommt in den Niederlanden nicht oft vor. Das letzte Mal war das im Jahr 2003, als die Energieversorgung gefährdet war.

Anpassen der Wasserverteilung

Der Wassermangel wirkt sich vor allem auf die Landwirtschaft und die Schifffahrt aus, da einige Wasserwege nicht mehr oder nur noch schwer befahrbar sein werden und die Pflanzen nicht mehr bewässert werden können. Auch die Natur wird in Mitleidenschaft gezogen, da Flüsse, Gräben und Seen weniger Frischwasser liefern werden. Es gibt keinen Mangel allerdings keine an Trinkwasser!

In den letzten Wochen mussten einige Wasserverbände bereits Maßnahmen ergreifen, um mit der Dürre fertig zu werden. Zum Beispiel wird der Wasserstand des IJsselmeers so hoch wie möglich gehalten, da ein großer Teil der Niederlande sein Süßwasser von dort bezieht. Außerdem wurden an verschiedenen Stellen Pumpen und Schleusen eingesetzt, um das Wasser auf die Flüsse zu verteilen.

Im Falle einer Wasserknappheit wird die Verdrängungssequenz ausgelöst. Das bedeutet, dass unsere erste Priorität darin besteht, die Deiche zu sichern und zum Beispiel irreversible Schäden an der Natur zu verhindern. Danach sorgen wir dafür, dass unsere Trinkwasser- und Energieversorgung weiterhin funktioniert.

Keine Sorgen, das Trinkwasser wird weiter laufen | Foto: DACHIST

Trinkwasser

In den Niederlanden ist ausreichend Trinkwasser vorhanden und wird auch weiterhin verfügbar sein. Es ist jedoch wichtig, dass die Niederländer ihr Leitungswasser bewusst(er) nutzen. Der Standardratschlag der Wasserversorger lautet, dass es immer besser ist, weniger Wasser zu verbrauchen, und zwar das ganze Jahr über.

Wasserknappheit in den Niederlanden?

Die Niederlande erhalten viel Wasser über die Flüsse, aber sie brauchen auch viel Wasser. Zum Beispiel, um sicherzustellen, dass kein Salzwasser aus dem Meer ins Land fließt und Versalzung entsteht. Der Boden muss auch feucht bleiben, damit sich Feuchtgebiete nicht absetzen. Zudem benötigen die Schifffahrt und die Landwirtschaft viel Wasser. In den Niederlanden gilt auch: Wer immer viel Wasser zur Verfügung hat, gewöhnt sich daran und verbraucht eine Menge.

Fast jedes Jahr gibt es in den Niederlanden im Sommer eine Dürreperiode. Es verdunstet mehr Wasser als an Niederschlag fällt und die Wasserzufuhr durch Rhein und Maas nimmt ab. Dieser Effekt wird durch den Klimawandel noch verstärkt. Höhere Temperaturen und mehr Sonneneinstrahlung erhöhen die Verdunstung. Das Dürrerisiko im Frühjahr und Sommer hat daher zugenommen.

Versalzung und andere Probleme

Das Gleichgewicht zwischen Niederschlag, Verdunstung und Wasserzufuhr hat einen großen Einfluss auf den Grundwasserspiegel. Je öfter und länger Niederschlagsmangel herrscht, desto öfter und weiter sinkt der Grundwasserspiegel als bisher.

Sinkt der Grundwasserspiegel, kann dies sehr negative Folgen haben:

  • Austrocknung landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und der Natur, weil Wurzeln kein Wasser mehr entziehen können.
  • Bodenabsenkungen, die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur zur Folge haben. Das Anheben oder Absenken des Grundwasserspiegels beeinflusst nämlich das Korngerüst des Boden und somit Kornspannung im Boden. Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels sinkt der Druck des Grundwassers und die Kornspannung (zwischen allen Bodenbestandteilen) steigt, da mehr Gewicht von den festen Teilen im Boden, dem 'Kornskelett', getragen wird und weniger vom Wasser in den Zwischenräumen. Es kommt somit zu einer Verdichtung.
  • Schäden an hölzernen Fundamenten, sogenannter droogstand. Wenn Holzfundamente nicht dauerhaft unter Wasser stehen, gelangt Sauerstoff an die Pfähle. Dies ermöglicht das Wachstum von Pilzen, die das Holz allmählich abbauen

Ein anderes Problem ist die Bodenversalzung. Diese Verzilting ist die allmähliche Erhöhung des Salzgehalts von Boden oder Wasser. Dies kann durch Überschwemmungen aus dem Meer, durch salzhaltige Versickerungen, bei denen Meerwasser über den Untergrund in das Land gelangt, oder durch unvorsichtige Bewässerungsmethoden verursacht werden. Das niederländische Wassermanagement kontrolliert die Situation ständig, um die Versalzung der Böden entgegen zu wirken.

Maßnahmen

Die Wasserbehörden und der Rijkswaterstaat halten die Situation durch Wasserstandsmanagement und zusätzliche Wasserversorgung überschaubar. Dazu wurden folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Im Moment wird das IJsselmeer auf einem möglichst hohen Wasserstand gehalten, damit die nördlichen (westlichen) Wasserverbände dieses Wasser einlassen können.
  • Die klimasichere Wasserversorgung (Klimaatbestendige wateraanvoer, Kurz: KWA) wurde am 18. Juli gestartet, um die westlichen Niederlande mit Wasser zu versorgen. Dies bedeutet, dass zusätzliches Wasser aus dem Amsterdamer Rijnkanaal und der Lek in das Gebiet der Westlichen Niederlande geleitet wird, um die Versalzung zu bekämpfen.
  • Behelfspumpen wurden installiert, um die Kanäle von Twente mit zusätzlichem Wasser aus der IJssel zu versorgen.
  • An verschiedenen Schleusen gibt es Schleusenbeschränkungen für die Schifffahrt, um Wasser zurückzuhalten und eine Versalzung zu verhindern.
  • Informationen für die Schifffahrt über den Wasserstand in Relation zum Flussbett. Die sogenannten kleinsten gemessenen Tiefen (Minst Gepeilde Diepten) auf der Waal, der Lek und der IJssel werden über Teletext veröffentlicht.
  • Trinkwasserunternehmen rufen die Kunden auf, in warmen Zeiten bewusst und sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Der Trinkwasserverbrauch ist zurückgegangen und liegt nun im normalen Bereich der Jahreszeit.
  • In weiten Teilen des Südens und Ostens des Landes (insbesondere Zeeland, Limburg und Achterhoek) haben die Wasserbehörden die Entnahme von Oberflächenwasser verboten. Davon ist vor allem die Landwirtschaft betroffen.

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