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Neue Maßnahmen gegen Masernwelle in den Niederlanden

BMR Impfungen | Foto: HOLLAND.guide

BILTHOVEN · In den Niederlanden mehren sich die Fälle von Masern, insbesondere in der Region Eindhoven und unter Arbeitsmigranten. Das Outbreak Management Team (OMT), einberufen vom Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM), hat neue Maßnahmen empfohlen, um einer weiteren Ausbreitung der hochansteckenden Viruserkrankung entgegenzuwirken.

Die Niederlande erleben derzeit eine Zunahme der Masernfälle, eine Entwicklung, die das RIVM veranlasst hat, das OMT erneut zu mobilisieren. Seit dem letzten großen Ausbruch im Jahr 2013, bei dem es landesweit zu Tausenden von Fällen kam, waren die Infektionszahlen relativ gering. Doch die aktuelle Situation zeigt eine besorgniserregende Tendenz.

Ein erheblicher Teil der neuen Infektionen wurde unter Arbeitsmigranten in Limburg und in der Region Eindhoven gemeldet. Dies hat das OMT dazu veranlasst, spezifische Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung einzudämmen. Dazu gehört die leichtere Zugänglichkeit von Nachholimpfungen für Kinder, die den regulären Impfplan verpasst haben. Ferner wird auf eine verbesserte Überwachung und Schutzmaßnahmen für das Personal in Gesundheitseinrichtungen gedrängt.

Die Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Sie beginnen typischerweise mit Fieber, Husten und Entzündungen der Augen, gefolgt von charakteristischen roten Flecken. Obwohl es keine spezifische Behandlung gegen das Virus gibt, schützt die Impfung effektiv vor der Krankheit. Ungeimpfte Personen und jene, die keinen Kontakt zu dem Virus hatten, sind jedoch hochgradig gefährdet.

Die Experten des OMT sind besorgt über die sinkende Impfrate, nicht nur in den Niederlanden, sondern europaweit. Sie warnen, dass ohne angemessene Gegenmaßnahmen und eine Erhöhung der Impfraten, die Gefahr weiterer Ausbrüche steigt. Das OMT empfiehlt daher dringend, die Verfügbarkeit von Impfstoffen zu erhöhen und öffentliche Aufklärungskampagnen zu intensivieren, um die Bevölkerung über die Bedeutung der Impfung zu informieren.

Maßnahmen

Das Outbreak Management Team (OMT) empfiehlt in Bezug auf die aktuelle Masernwelle in den Niederlanden diese Maßnahmen :

  • Das OMT rät dem Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, temporär zusätzliche Bestände an BMR-Impfstoffen für Nachholimpfungen und eventuelle vorzeitige Impfungen im Falle einer Epidemie vorzuhalten.
  • Das RIVM sollte die Richtlinien für die Postexpositionsprophylaxe für Kinder unter 14 Monaten aktualisieren. Insbesondere wird empfohlen, Kindern unter 6 Monaten, die Kontakt mit Masernpatienten hatten, Immunglobuline zu verabreichen und für Kinder ab 9 Monaten eine vorzeitige Impfung in Erwägung zu ziehen.
  • Für Kinder zwischen 6 und 9 Monaten sollte ein individuelles Beratungsangebot erstellt werden.
  • Bei einem Masernfall in einer Kindertagesstätte wird geraten, den Kontakt zwischen Kindern verschiedener Gruppen zu minimieren und in größeren Ausbruchssituationen eine vorzeitige Impfung für Kinder im Alter von 6 bis 14 Monaten aus anderen Gruppen derselben Einrichtung in Betracht zu ziehen.
  • Die Jugendgesundheitsdienste sollten niedrigschwellige Nachholimpfungen anbieten und durch persönliche Gespräche in Gemeinden und spezifischen Zielgruppen das Impfen fördern.
  • Spezifische Gesundheitseinrichtungen sollten den Impfstatus ihres Personals überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren, um einen hohen Schutzstandard zu gewährleisten.
Anzahl der Masernmeldungen pro GGD-Region (Gemeentelijke Gezondheidsdienst) in den Niederlanden von Januar bis zum 16. April 2024 | Quelle: RIVM

Ursachen und Verbreitung der aktuellen Masernwelle in den Niederlanden

Die aktuelle Masernwelle in den Niederlanden ist hauptsächlich auf eine Kombination von niedrigen Impfraten in bestimmten Bevölkerungsgruppen und die erhöhte Mobilität der Bevölkerung zurückzuführen. Ein signifikanter Anteil der Fälle wurde zunächst in Limburg unter Arbeitsmigranten registriert, was auf die Einschleppung des Virus aus Ländern mit geringerer Durchimpfung hindeutet. Die rasche Ausbreitung in Gemeinschaftseinrichtungen, in denen viele ungeimpfte Personen eng zusammenleben und arbeiten, hat zur Verbreitung des Virus beigetragen.

In der Folge breitete sich das Virus auch in städtischen Gebieten wie der Region Eindhoven aus, wo es weitere Infektionscluster gab. In diesen urbanen Zentren trugen sowohl die hohe Bevölkerungsdichte als auch die soziale Interaktion dazu bei, dass sich das Virus schnell verbreiten konnte. Die meisten aktuellen Fälle werden nun aus der Region Eindhoven gemeldet, was zeigt, wie schnell sich Masern in städtischen Umgebungen ausbreiten können, insbesondere wenn es an einer ausreichenden Herdenimmunität mangelt.

Die Situation in den Niederlanden spiegelt die zunehmende Sorge um sinkende Impfraten in Europa wider. Einige Gemeinden in den Niederlanden haben historisch niedrige Impfraten aufgrund von Impfskepsis oder religiösen Überzeugungen, was die Kontrolle von Ausbrüchen erschwert. Diese Faktoren, kombiniert mit der erhöhten Reisetätigkeit und der daraus resultierenden Einschleppung des Virus aus anderen Ländern, haben maßgeblich zur aktuellen Welle beigetragen.

Masern - keine harmlose Kinderkrankheit

Masern sind eine extrem ansteckende Viruserkrankung, die ernsthafte und teils lebensbedrohliche Gesundheitsrisiken darstellen kann. Besonders gefährdet sind Kinder, immungeschwächte Personen und Ungeimpfte. Das Masernvirus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion verbreitet, die beim Husten, Niesen oder Sprechen einer infizierten Person entstehen. Schon vor dem Auftreten des typischen Hautausschlags kann das Virus übertragen werden, was die Eindämmung von Ausbrüchen erschwert.

Die Symptomatik der Masern beginnt in der Regel mit hohem Fieber, das mehrere Tage anhalten kann, gefolgt von Husten, Schnupfen und Konjunktivitis. Einige Tage später folgt der charakteristische Hautausschlag, der oft hinter den Ohren und im Gesicht beginnt und sich dann über den ganzen Körper ausbreitet. Diese Symptome sind nicht nur unangenehm, sondern können bei Betroffenen auch zu schweren Komplikationen führen.

Zu den möglichen schweren Folgen der Masern gehören unter anderem Lungenentzündung und Enzephalitis (Gehirnentzündung), welche beide potenziell tödlich sein können. Lungenentzündung ist die häufigste Todesursache bei Masern, während die Enzephalitis bleibende Schäden wie Krampfanfälle und kognitive Einschränkungen verursachen kann. Besonders tragisch ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine sehr seltene, aber tödliche Spätfolge der Masern, die Jahre nach einer anfänglichen Genesung auftreten kann. Diese fortschreitende neurologische Erkrankung führt zu einem allmählichen Verlust der kognitiven Funktionen, der Motorik und letztlich zum Tod.

Darüber hinaus kann eine Maserninfektion das Immunsystem derart schwächen, dass Betroffene Monate bis Jahre nach der Infektion anfälliger für andere Krankheiten sind. Studien haben gezeigt, dass das Virus die Fähigkeit hat, das immunologische Gedächtnis zu löschen, was früher erworbene Immunitäten gegen andere Krankheiten zunichtemacht.

Angesichts dieser Risiken ist die Masernimpfung ein entscheidender Schutzmechanismus. Sie verhindert nicht nur die Krankheit selbst, sondern auch die schweren Spätfolgen, die sie nach sich ziehen kann. Deshalb wird weltweit dazu aufgerufen, die Impfraten zu erhöhen, um Ausbrüche zu verhindern und die öffentliche Gesundheit zu schützen.

BMR Impfung

Der beste Schutz gegen Masern ist die Impfung. In vielen Ländern, einschließlich der Niederlande, ist die BMR-Impfung (Bof, Mazelen, Rodehond - Mumps, Masern, Röteln = MMR) Teil des niederländischen Impfprogramms. Diese Impfung schützt nicht nur gegen Masern, sondern auch gegen Mumps und Röteln. Kinder erhalten in den Niederlanden die erste Dosis der BMR-Impfung im Alter von 14 Monaten. Eine zweite Dosis folgt im Alter von 9 Jahren. Die erste Dosis wird verzögert verabreicht, um sicherzustellen, dass die von der Mutter übertragenen Antikörper, die das Kind in den ersten Lebensmonaten schützen, nicht mit der Impfung interferieren. Nach der ersten Dosis sind etwa 95% der Geimpften gegen die Krankheiten geschützt. Die zweite Dosis verstärkt diese Schutzwirkung, sodass nach Abschluss des Impfschemas etwa 99% der Geimpften geschützt sind.

Nebenwirkungen der BMR-Impfung sind in der Regel mild und umfassen Symptome wie Fieber, Müdigkeit und lokale Reaktionen an der Injektionsstelle wie Rötung oder Schwellung. Die Bedeutung der Impfung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, da Masern zu schwerwiegenden Komplikationen wie Ohrenentzündungen, Lungenentzündung und in seltenen Fällen zu einer tödlichen Gehirnentzündung führen können. Der umfassende Schutz durch die BMR-Impfung ist daher ein entscheidender Schritt zur Vermeidung dieser Risiken.

Übrigens ist der Impfplan in Deutschland anders gestaltet als in in den Niederlanden. Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Kinder zwei Masernimpfungen. Die erste Impfung sollte normalerweise im Alter von 11 Monaten erfolgen, die zweite dann mit 15 Monaten. Es ist wichtig, dass zwischen der ersten und zweiten Impfung mindestens vier Wochen liegen. Unter bestimmten Umständen, wie zum Beispiel vor der Aufnahme in eine Kindertagesstätte oder nach einem Kontakt zu einer an Masern erkrankten Person, kann die erste Impfung schon ab einem Alter von 9 Monaten verabreicht werden. Wird die erste Impfung zwischen dem 9. und 10. Lebensmonat durchgeführt, sollte die zweite Impfung zu Beginn des zweiten Lebensjahres erfolgen.

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