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1. Juli 2021: Das hat sich geändert

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Links: analoger Stromzähler | Rechts: "Slimme meter"

Ab heute, dem 1. Juli 2021, treten eine ganze Reihe neuer Gesetze und Verordnungen in den Niederlanden in Kraft, die für Unternehmen, Verbraucher, Arbeitnehmer, Urlauber und Rentner wichtig sind.

Energietarife

Der Taltarif (daltarief) für Energie wird für Haushalte mit einem alten Energiezähler verschwinden. Die Kosten für Strom sind dann am Tag und in der Nacht gleich hoch. Dies liegt daran, dass die Netzbetreiber kein Tonfrequenzsignal mehr ausgeben. Die Wartung ist teuer und es gibt inzwischen bessere Techniken. Viele Haushalte haben daher bereits auf einen "intelligenten" Stromzähler umgestellt, der automatisch zwischen den Tarifen wechselt. Ein "dummer" Stromzähler ist noch bei ca. einer Millionen Anschlüsse zu finden. Wer noch einen alten analogen Stromzähler hat, kann sich bei seinem Netzwerkanbieter über einen Wechsel informieren. Jeder wird irgendwann einen Slimme Meter bekommen. Wer früher an der Reihe sein möchte, zahlt 72,60 € für einen Strom- und Gaszähler oder 67,76 € nur für Gas. M

Verbraucher werden ab heute mehr für Gas und Strom bezahlen. Das liegt daran, dass die Nachfrage nach Gas in den letzten Monaten stark angestiegen ist, zum einen wegen des kalten Frühlings, zum anderen, weil immer mehr Menschen ins Büro zurückkehren und damit auch die Unternehmen mehr verbrauchen. Auch die Strompreise werden steigen, denn Gas ist nach wie vor wichtig für die Stromerzeugung. Der Anstieg der Preise hängt vom der Art des Vertrages und dem tatsächlich Verbrauch ab.

Wer Energiepreise vergleichen möchte kann unser Vergleichsportal benutzen.

Internet

Das Internet und Fernsehen kann ab heute teurer werden. KPN berichtet, dass viele Abonnenten im Durchschnitt ca. 1,50 Euro mehr pro Monat zahlen werden. Für Großverbraucher sinken die Preise jedoch um durchschnittlich 7,50 Euro. Auch VodafoneZiggo erhöht die Internetpreise.

Auch hier: Unser Vergleichsportal bietet eine Übersicht der Internetanbieter an.

Immobiliengutachten wird teurer

Durch die neuen europäischen Regeln wird die Bewertung eines Hauses (taxatie) teurer, möglicherweise um einige hundert Euro. Außerdem muss der Bewertungsbericht erweitert werden. Ein günstigeres und standardmäßiges Online-Gutachten ist ab Juli oft nicht mehr erlaubt, wenn eine neue Hypothek aufgenommen wird. Das Wertgutachten muss genau beschreiben, welche nachhaltigen Investitionen für das Haus erforderlich sind.

Limit Mieterhöhung

Gute Nachricht für Mieter: Im sozialen Bereich darf die Miete in diesem Jahr nicht erhöht werden. In anderen Jahren geschah dies meist am 1. Juli. Diese Regelung ist bis zum 30. Juni 2022 gültig.

Im freien Sektor sind Mieterhöhungen erlaubt, allerdings hat die Regierung erstmals ein Maximum festgelegt. Die Regierung berechnet das Maximum auf folgende Weise: 1 Prozent plus Inflation. Damit liegt die maximale Mieterhöhung in diesem Jahr bei 2,4 Prozent. Das Gesetz gilt bis zum 1. Mai 2024.

Touristische Vermietung

Für Online-Plattformen (Airbnb, Booking.com, ...) gelten ab heute strengere Regeln für die touristische Vermietung. Das Wet Toeristische Verhuur wurde erweitert. In Gemeinden, in denen eine Registrierung erforderlich ist, dürfen sie keine Anzeigen mehr ohne Registrierungsnummer veröffentlichen. So können Gemeinden besser nachvollziehen, welche Adressen an Touristen vermietet werden und von wem. Amsterdam und Utrecht haben bereits angekündigt, dass sie eine solche Registrierungspflicht anstreben.

Bierauswahl im Supermarkt

Alkohol

Am 1. Juli tritt das neue Alkoholgesetz in Kraft, das einen maximalen Rabatt von 25 Prozent auf Alkohol in Geschäften vorschreibt. Der Höchstwert gilt nicht für das Gastgewerbe, wo die "Happy Hour" somit noch stattfinden darf. Der Verkauf von Alkohol im Supermarkt, Getränkehandel und im Internet ist aber begrenz.  "Zwei Kästen Bier zum Preis von einem", wird es somit nicht mehr geben.

Erwachsene, die in Kneipen oder Restaurants alkoholische Getränke an minderjährige Kinder geben oder weiterreichen, machen sich nun strafbar. Der Schluck aus Papas Bierglas "zum Spaß" kann somit teuer werden.

Darüber hinaus wird die Einhaltung der Vorschriften für den Verkauf von Bier, Wein und Spirituosen "im Fernabsatz", also über Onlineshops, strenger kontrolliert werden.

Rauchen

Raucherbereiche in öffentlichen Gebäuden gehören der Vergangenheit an. Zu den Bereichen gehören Regierungsgebäude, Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Sportstätten, Bibliotheken und kulturelle Einrichtungen. Am 1. Januar 2022 müssen Unternehmen folgen.

Prostitution

In Utrecht wurde der Straßenstrich, die sogenannte Tippelzone, letzte Nacht geschlossen. Die Tippelzone an der Europalaan gab es seit 1986. Einen neuen Straßenstrich wird es nicht geben und die alternative raamprostitutie am Zandpad ist noch in der Planung und soll nächstes Jahr öffnen.

aktuelle Spritpreise in den Niederlanden

Benzinpreise

Dies hat weniger direkt mit dem 1 Juli zu tun, es ist aber in dieser Woche passiert: Zum ersten Mal stieg der Benzinpreis an den teuersten Tankstellen über 2 Euro. Dies ist der höchste in den Niederlanden gefundene Preis, nicht der Durchschnittspreis. Der Anstieg ist größten Teils auf den steigenden Rohölpreis zurückzuführen.

Ein großer Teil dessen, was Kunden an der Zapfsäule für Kraftstoff bezahlen, besteht aus Verbrauchssteuern. Dies ist ein fester Betrag pro Liter. Zusätzlich wird die Mehrwertsteuer erhoben, die einen Prozentsatz des Preises an der Zapfsäule ausmacht. Wenn der Preis steigt, wird auch mehr Mehrwertsteuer pro Tankfüllung gezahlt. LPG kostet jetzt ca. 0,93 Euro pro Liter. Das ist immer noch etwas weniger als der Rekordpreis von 0,946 Euro vom 1. Januar 2014.

Kilometerzähler

Wie für Autos gilt ab heute auch für Motorräder die Pflicht zur Registrierung des Kilometerstandes. Dies dient dazu, um Betrug zu verhindern. Für Autos ändert sich auch die Anmeldung, bei Reparaturen und Wartungen unter 150 Euro müssen Werkstattbesitzer nun den Kilometerstand registrieren.

Bel-me-niet register

Unerwünschte Anrufe von Firmen gehören der Vergangenheit an: Heute tratt eine Änderung des niederländischen Telekommunikationsgesetzes in Kraft, durch die es Unternehmen nicht mehr erlaubt ist, Verbraucher ohne Erlaubnis zu gewerblichen Zwecken anzurufen. Der Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen an Personen per Telefon ist dann nur mit Genehmigung erlaubt. Wenn sie dennoch anrufen, riskieren sie eine Geldstrafe. Allerdings dürfen Unternehmen ihre ehemaligen Kunden bis zu drei Jahre nach Beendigung des Vertrags anrufen. Wenn diese Unternehmen anrufen und ihnen gesagt wird, dass sie nicht mehr anrufen dürfen, müssen sie es direkt umsetzen. Unternehmen müssen dies während des Gesprächs selbst anbieten.

Einfuhrzoll und Mehrwertsteuer

Ab heute sind Sendungen von außerhalb der Europäischen Union mit einem Wert von weniger als 22 Euro nicht mehr von der Zahlung von Einfuhrzöllen und Mehrwertsteuer befreit. Billige Ware, die z.B. in chinesischen oder amerikanischen Webshops bestellt wurden, können daher teurer sein. Die neuen Regeln gelten auch für Produkte, die vor dem 1. Juli bestellt, aber nach diesem Datum importiert wurden.

PostNL erhebt außerdem zusätzliche Kosten für die Erhebung und Abführung dieser Mehrwertsteuer, wenn sie nicht bei der Bestellung berechnet wird. Diese Kosten variieren zwischen 4 Euro und 7 Euro pro Paket beim Warenwert unter 150 €.

Geschenkgutscheine

Geschenkgutscheine sind jetzt mindestens zwei Jahre ab dem Zeitpunkt der Ausstellung gültig.

Pfandsymbol

Pfand

Auf kleine Plastikflaschen für Softdrinks oder Wasser ist bereits seit dem 1. Juni 2021 Pfand. Dennoch wurden immer noch alte Flaschen, also ohne Pfand, verkauft. Diese Flaschen, die für 15 Cent zurückgegeben werden können, sind mit einem deutlichen Pfandlogo versehen. Ab heute dürfen Hersteller keine Flaschen mehr ohne Pfandlogo herstellen.

Einwegplastik

Mit diesem Verbot in Aussicht war der Verkauf von Einwegplastik schon viel weniger geworden, aber ab heute ist Einwegplastik wirklich Geschichte. Dies betrifft Produkte wie Plastikstrohhalme, Wattestäbchen, Einwegbesteck und Einwegteller. Auch Einwegprodukte, die nur teilweise aus Kunststoff bestehen, dürfen nicht mehr verkauft werden.

Verfügbarkeit Ladestationen

Anbieter von Ladestationen sind verpflichtet, ab heute Informationen zur Verfügbarkeit in Echtzeit zu teilen. Beispielsweise müssen Besitzer von Elektroautos über eine App herausfinden können, wo eine Ladestation verfügbar ist, mit welcher Geschwindigkeit sie dort laden können und wie viel das kostet.

Negativzinsen

Ähnlich wie in Deutschland ergeben auch mehr und mehr niederländische Banken Negativzinsen: ABN Amro, ING, Rabobank und Volksbank werden mehr Kunden mit Negativzinsen belasten. Privat- und Geschäftskunden der ING, die mehr als 100.000 Euro auf ihrem Konto haben, müssen ab heute Zinsen dafür zahlen. Das gleiche gilt für Kunden der Rabobank und der Volksbank. Bei ABN Amro liegt die Grenze bei 150 Tausend Euro.

Urlaubstage

Gesetzliche Urlaubstage, die von Mitarbeitern im Jahr 2020 angesammelt wurden, verfallen im Juli. Die Regelung gilt nicht für die zusätzlichen, zusätzlichen gesetzlichen Urlaubstage. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Mitarbeiter rechtzeitig an das Verfallsdatum zu erinnern, so dass sie noch eine Chance haben, diese zu nutzen. Unterlässt der Arbeitgeber dies, kann der Arbeitnehmer die Urlaubstage auch später noch nehmen.

Airbus A330-203 von KLM

Gratis Coronatests für Reisende und EU Zertifikat

Jeder, der aus den Niederlanden ins Ausland reist, kann sich ab heute bis zum 31. August 2021 kostenlos testen lassen. Die Tests sind für Reisende gedacht, die noch nicht vollständig geimpft sind und die sich vor ihrer Auslandsreise in diesem Sommer testen lassen müssen. Der Test kann auf der Webseite https://afspraak.testenvoorjereis.nl/ gebucht werden.

Ab heute gibt es das EU Digital Corona Certificate (DCC). Dieser digitale Corona-Pass ist über die CoronaCheck-App verfügbar. Das Zertifikat ist als Reisedokument innerhalb der gesamten Europäischen Union gültig. Mit einem DCC haben Sie auch Zugang zu Veranstaltungen in den Niederlanden.

Tweede Kamer

Ab heute wird die Regierung mehr Dokumente mit der Tweede Kamer teilen. In Dokumenten, die die Tweede Kamer anfordert, werden Meinungen und Interpretationen von Beamten nicht mehr gestrichen. Und "zugrundeliegende Memoranden", auf denen die Politik basiert, werden proaktiv öffentlich gemacht.

Zuwanderer

Der Unterricht für Zuwanderer wird ab heute von den Kommunen bezahlt. Das neue Integrationssystem macht es schwieriger, Betrug zu begehen, da die Teilnehmer es nicht mehr selbst aus einem Kredit bezahlen. Früher konnten die Sprachschulen ihre Kosten beim Dienst Uitvoering Onderwijs (Duo) geltend machen, aber bei einigen Schulen stellte sich heraus, dass die Teilnehmer falsche Rechnungen unterschrieben hatten. Das neue System soll auch den Integrationsprozess beschleunigen. Neuankömmlinge werden ermutigt, ihren Sprachunterricht mit ehrenamtlicher Arbeit zu kombinieren.

Mindestlohn und Rente

Der Mindestlohn wird zweimal im Jahr an die durchschnittlichen CAO-Löhne angepasst. Ab Donnerstag wird der gesetzliche Mindestlohn für Arbeitnehmer ab 21 Jahren um knapp 17 Euro auf 1.701,80 Euro brutto pro Monat angehoben. Auch der Mindestlohn für Jugendliche (unter 21) wird erhöht. Die Beträge variieren ab dem 1. Juli von 510 Euro brutto für Fünfzehnjährige bis 1.360 Euro für Zwanzigjährige. Alle Beträge gelten für eine Vollzeitbeschäftigung, also für 36, 38 oder 40 Stunden pro Woche.

AOW-Empfänger bekommen ab heute etwas mehr Geld: Alleinstehende AOW-Empfänger erhalten 1.226,60 Euro pro Monat, zuvor waren es 1.218,19 Euro. Verheiratete und zusammenlebende Partner erhalten ab Donnerstag einen Betrag von 838,55 Euro pro Monat, eine Erhöhung um rund 6 Euro.

Hundetraining

Seit einiger Zeit gibt es ein Verbot, Hunde mit elektrischem Strom zu trainieren, aber dieses Verbot wird ab heute auf die Ausbildung von Polizei- und Armeehunden ausgeweitet. Eine Ausnahme gibt es nur für Hunde, die für geheime Missionen eingesetzt werden.

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